Interview: Rupert's Kitchen Orchestra
Ein tobender Funk-Mob, ein mehrköpfiges Monster des Funk, der Wahnsinn auf Beinen, der die Massen in Ekstase versetzt. Der Traum aller Schwiegermütter auf Drogen, die nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Die Burt Bacharach des Funk. Sympathisch wie nie zuvor. Ganz großes Tennis! RUPERT'S KITCHEN ORCHESTRA ist der Garant für gepflegte Unterhaltung jenseits von Gut und Böse.
Justaloud: Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Das ging in recht jungen Jahren im Musikraum der Schule los, da wurde dann probiert, geübt und die ein oder andere Mathestunde auch mal hinten an gestellt, das ging aber auch recht unterschiedliche Wege bei uns, unsere absolut groovige Bassistin spielt auch erst seit 6 Jahren. Studieren ist nicht unbedingt nötig, aber Notenkenntnisse und Wissen um die Musik sollte man sich schon aneignen wollen.
Alles in allem kam aber die Musik zu uns, nicht wir zur Musik…
Justaloud: Was war euer größter Auftritt?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Eine ganz große Sache in der letzten Zeit war das Wutzrock-Festival in Hamburg, die verstehen es echt, sich um Künstler zu kümmern, da stimmte von Catering bis Bühnenorga und Mix/Monitormix alles, und das Publikum ist da bekanntermaßen auch richtig geil, zudem sind die politisch voll korrekt. Groß sind aber auch Clubgigs, bei denen das Bier ab der Hälfte des Konzertes ausverkauft ist, kommt öfter mal vor…
Justaloud: Wie läuft eine Probe bei euch ab?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Wir proben 3x die Woche 5 Stunden zusammen, wobei wir 2 Stunden auffrischen und 3 Stunden komponieren, komponiertes zusammentragen und arrangieren. Wir haben uns ein kleines Studio in Neukölln gebastelt (da kann man auch aufnehmen mit ganzen Bands übrigens), so daß wir eventuell colle neue Sachen immer gleich als Mitschnitt haben.
Geprobt wird diszipliniert bis es manchmal weh tut, dann gibt’s ne Kaffeepause.
Am Ende gehen alle nach Hause und fallen sofort ins Bett.
Justaloud: Hattet ihr schon mal Stress in der Band? Worüber?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Unzuverlässige Kollegen, die nicht mehr dabei sind. . Hart aber gerecht, ansonsten sind wir eigentlich ein Dreamteam, ein unzertrennliches Familybundle aus sehr interessanten Individuen. Chef ist, wer am meisten Einsatz bringt, das hat sich bewährt.
Ansonsten haben wir gelernt, Unvermögen eines Veranstalters nicht an uns auszulassen,kam früher beizeiten vor, sondern beim betreffenden abzuladen, hervorragend.
Justaloud: Arbeitet ihr mit Köpfchen oder mit Intuition beim Proben?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Die Intuition gehört sicherlich nicht in die Probe, das ist eher was für das Songschreiben außerhalb der Proben, in der Probe selbst ist natürlich Köpfchen gefragt, und das so lang, bis der Bauch mittanzt, wir machen Musik für das Publikum und so, wie es uns selbst auch gefallen würde.
Justaloud: Stoned auftreten? Lieblingsbier?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Never, verboten, das ging vielleicht früher beim Punkrock, aber hört sich scheisse an am Ende, und guter Groove und so erfordert echt Konzentration. Das kommt um so peinlicher, wenn sich da einer stoned selbst überschätzt. James Brown hat’s zu Beginn seiner Karriere vorgemacht. Ein Malzbier nach dem Gig ist lecker, manchmal auch was mit, wenn denn nix mehr zu tun ist, aber einreissen tut da nichts. Musik als Droge!
Justaloud: Was muss ein Groupie machen, damit…?
Rupert’s Kitchen Orchestra: … er Backstage darf? Warten, bis wir raus sind… … nein, wir kommen eigentlich immer super nach dem Gig ins Gespräch, wenn wir uns dann unter die Leute mischen wollen… wenn aber einer mit „Ey, ich mach(rülps) auch Musik“ kommt, dann muß er erstmal vortanzen, dann versprechen wir ihm einen Plattenvertrag und verabreden uns im Industriegebiet irgendwo…
Justaloud: Wo seht ihr euch in 2 Jahren?
Rupert’s Kitchen Orchestra: Wir wollen uns so weit ausbauen, daß wir eventuelle Nebenjobs an den Nagel hängen können und von unserem Hauptberuf Musik leben können (dann gibt’s leider das Studio nur noch sporadisch für andere Bands…) auf jeden Fall sehen wir uns auch auf großen Festivals, wir denken auch etwas mehr noch in Richtung Jazzfunk a la Maceo, Prince& N.P.G. etc., so diese Qualität, wir sind eine unglaublich heisse Liveband. Am 4.4. übrigens Live im Zapata in Berlin wenn Ihr da grad mal seid oder gar da wohnt… es lohnt sich!
Justaloud: Erfahrungen mit der Musikindustrie? Label? Erfolge / Misserfolge / Tips für andere Künstler
Rupert’s Kitchen Orchestra: Musikindustrie… naja, MTV = Viva, Timbo rules und man braucht halt jede Menge Kohle für Werbung, die erste Million ist die schwerste. Kuschelkuschel und so auf Platz eins spiegelt ein wenig den deutschen Konsumenten, naja, aber wenn’s Spaß macht, kein Lied von 1960-1990, das nicht nochmal gecovert wurde… ein wenig schade, wir sind für`s Selbermachen.
Die kleinen Labels kümmern sich gut, aber mit davon leben ist nix.
Mißerfolge sind z.B: unbeantwortete Briefe, da kommt „Wir haben zur Zeit für Musik Ihres Stiles keine Vermarktungsmöglichkeit“ (von Universal vor 4 Jahren) schon besser, ist wenigstens mal `ne Ansage.
Keine Reaktion wirkt eher unprofessionell, ach, wir sind ja so gestresst, wirklich?
Farin Urlaub hat auf die Frage, wie die Ärzte so berühmt geworden sind, sinngemäß mal geantwortet, sie hätten an jeder Giesskanne gespielt und nicht aufgegeben.
Sicher ist es wichtig, niemals den Glauben an die eigene Sache zu verlieren und alles durchzuziehen. Das hilft ungemein, manchmal merkt man gar nicht, daß man schon Meilen weiter ist. Und Kollegen: Spielt nicht für 100,- €! Ihr dumpt damit andere Musiker und Clubbesitzer denken, Musik wäre umsonst! Böser Fehler! Ihr seid was wert!
Justaloud: Welcher Musiker hätte niemals eine Bühne betreten dürfen? Rupert’s Kitchen Orchestra: Interessante Frage… da fallen uns nur Politiker ein, die in den letzten Jahren niemals die Bühne hätten betreten dürfen, naja, Faschobands können sich auch mal ganz schnell wieder in ihren Schweinestall verkriechen, ansonsten ist Musik eine Kunst, von der es nicht genug geben kann, wir hören alles, was inspiriert, und das können sogar Jimmy Blue und böse Goth’s sein, es gibt Ohren für jeden Musiker, Rupert’s Kitchen Orchestra ist da sehr offen und muß es auch sein, alles andere wäre unprofessionell und ein wenig arm. Hallo Kollegen: Wir lieben Euch!!!
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