Magazin
03.06.2008 - Genre: Rock

Album: neo.NoiR von All:My:Faults

Hoffnungslos, verbittert und schwer ragen die Türme einer maroden Industriestadt in einen blutroten, Unheil verkündenden Himmel. So präsentiert sich das düstere Cover von neo.Noir, dem zweiten Longplayer von All:My:Faults und weist damit auf eine Musik an den schmerzenden Schnittstellen von Dark Wave, Black Metal und schwarzem Industial Rock.

Einst als Soloprojekt von Multiinstrumentalist Steve:Kiai an den Start gegangen, sind All:My:Faults nunmehr eine richtige Band und nach eigenen Angaben möchte man mit dem klassischen Musikgeschäft nichts zu tun haben. So verwundert es nicht, dass alle Veröffentlichungen der drei dunklen Seelen bei Creative Commons zur freien Verfügung stehen.

Die Musik auf neo.Noir ist schwer zu beschreiben, entzieht sie sich doch gängigen Rockmechanismen ganz und gar. Da mischen sich wavig angehauchte Tanznummern mit pumpenden Stampfrhythmen in eine brodelnde Suppe aus verstörenden Geräuschen, Horrorfilm ähnlichen Keybordteppichen, harten Metalriffs und sehr emotionalen Refrains. Dazwischen wird auf deutsch oder englisch geflüstert, gesprochen, geschrien, geflucht oder auch gesungen. Einzelne Songs hervorzuheben ist in diesem Fall nicht nötig, da man das Album als Gesamtkunstwerk erleben muß. Dabei spielen auch die intensiven Texte von Steve:Kiai eine große Rolle, erzählen sie doch von den zerbrechlichen Gefühlswelten des Autors selbst und machen dadurch die Musik erst greifbar.

Insgesamt kann man festhalten, dass uns All:My:Faults sicherlich keine leichte Kost servieren, was allerdings in einer Musikwelt, die sich vor lauter leichter Kost nicht mehr selbst ertragen kann, durchaus für frischen Wind sorgt. Es gibt also immer noch Bands, die versuchen einen eigenen Stil zu erschaffen und dafür die Nichtkommerzialität dankbar in Kauf nehmen. Dafür ein düsteres Extralob!

Autor: Sidewaytown